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Keine Mauer in und durch Piding

(02.04.2009) Interessensgemeinschaft "Chanche  für Piding" setzt auf Miteinander

Zwischen Chiemsee und Landesgrenze gibt es derzeit kaum ein mehr diskutiertes Thema als den Ausbau der A8. In Piding scheinen auf den ersten Blick die Positionen unvereinbar, doch die Interessengemeinschaft "Chance für Piding" mit Georg Nitzinger an der Spitze will scheinbar Unvereinbares zusammenbringen: Nordumfahrung und Schutz von Landwirtschaft und Natur. In einem Sondierungsgespräch mit dem Stimmkreisabgeordneten Roland Richter legte die Gruppierung ihre Ausrichtung dar und informierte sich zugleich über den Stand der Dinge.

 MdL Roland Richter (links) im Gespräch mit Vertretern der Interessensgemeinschaft "Chance für Piding"

"Ich führe zur Zeit sehr viele Gespräche über den Autobahnausbau" so Richter, der sich den Fakten als Architekt und Ingenieur mit Fachpraxis nähern kann. Er kenne alle zur Debatte stehenden Varianten für Piding. Aufgrund der oft zitierten Studien zur Zunahme von PKW- und LKW-Verkehr in den nächsten Jahren sei ein dreispuriger Ausbau mit Standstreifen die einzig sinnvolle Lösung, so Richter zu Beginn seiner Ausführungen. "Für Piding zeichnen sich nur zwei Varianten ab. Was nicht gedeckelt ist, ist keine Lösung." Nur Einhausung oder Tunnel ermöglichten den Anwohnern angemessenen Lärmschutz. Die zum optimalen Lärmschutz beim Bestandsausbau nötige erhebliche Absenkung sei aus einer Vielzahl von Gründen nicht möglich oder finanzierbar, so die Interessengruppe und nannte Grund- wie Hochwasserschutz-Probleme.

Nitzinger betonte im Austausch der Argumente, dass es vor allem darum gehe, dem geteilten Ort eine gemeinsame Zukunft zu ermöglichen und das sei nur mit einer Nordumfahrung möglich. " Es ist uns aber wichtig zu betonen, dass wir nicht gegen etwas sind. Wir sind für das Zusammenwachsen der Gemeinde und für optimalen Schutz von Landwirtschaft und Natur am Högl. Eine untertunnelte Nordtrasse ist die beste Lösung für den gesamten Ort."

Richter hatte im Vorfeld auf Eigeninitiative die Autobahndirektion bereits um eine Prüfung einer Tunnelvariante zwischen Aufham und der B20 ersucht. Das konkrete Ergebnis liege noch nicht vor, die Zusammenarbeit aber laufe "bestens". Nitzinger hält eine gemeinsam getragene Lösung aller Bürger als für den Gemeindefrieden sehr wichtig. "Was wir jetzt nicht erreichen, bekommen wir nie wieder." Es sei eine historische Chance für Piding, zusammenwachsen zu können. Da er in seiner Gruppe auf viele Mitglieder verweisen könne, die ohne persönliche Betroffenheit von den Argumenten für eine Nord-Variante überzeugt seien, sehe er hier eine für die Gemeinde vertretbare Lösung. Eine erhebliche Verlängerung der derzeit angedachten Einhausung oder des Tunnels helfe auch, die betroffene Landwirtschaft zu erhalten.

Christian Kleinert verwies auf die Chancen der Nordlösung: So seien die Zusammenführung von Gewerbegebieten, die Schaffung von Wohngebieten und die Schonung des Högls insgesamt nur durch diese Trasse möglich: "Die Summe der Argumente führt zur Nordvariante." Es stelle sich doch auch die Frage: "Würde man die Autobahn heute völlig neu bauen - wo käme sie hin?. Doch nie mitten durch den Ort!" zeigte sich Kleinert überzeugt. Positiv für Piding wäre auch der in Reichenhall noch nicht abschließend beschiedene Ausbau der B21 mit einer Voll-Anschlussstelle Schwarzbach/Walserberg. Ein aufwändiges "Kleeblatt" an Auf- und Abfahrten könnte so vermieden werden, die B20 wäre wesentlich entlastet. Richter versprach, an Gesprächen mit Nachbargemeinden teilzunehmen und "für die Region das Optimale rauszuholen". Da das Thema Autobahnausbau grundsätzlich ein "hochemotionales Thema" sei, gelte es, "mit allen Karten auf dem Tisch sauber zu argumentieren". An dieser Vorgehensweise könne kein Zweifel bestehen, betonte auch Nitzinger für die Interessengemeinschaft "Chance für Piding".