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Bildung ist mehr als Ausbildung

(26.07.2011) Vierter Bildungsgipfel im Berchtesgadener Land lotete ganzheitlichen Ansatz aus, MdL Richter stiftet Bildungspreis BGL

Zum vierten Mal fand auf Initiative von Roland Richter MdL der Bildungsgipfel Berchtesgadener Land statt. Stand bei dem Treffen aus hochrangigen Vertretern von Hochschulen, Schulen, Behörden und Wirtschaft bislang zielgerichtete Ausbildung für den Arbeitsmarkt oder ein Studium im Mittelpunkt, so wurde 2011 Bildung als der Weg des Menschen und seines Potenzials auch unabhängig von einem damit verbundenen Zweck, diskutiert. Diesmal auf dem Podium: Bayerns Kultusminister Dr. Ludwig Spaenle, der designierte Präsident der Landeszentrale für neue Medien, Siegfried Schneider, und der Vizepräsident der Musikhochschule München, Prof. Christoph Adt. Im Rahmen des Bildungsgipfels lobte Richter den „Bildungspreis Berchtesgadener Land“ zur Förderung innovativer Ansätze der Bildungsarbeit aus.v. R.: Prof. Christoph Adt, Kultusminister Dr. Ludwig Spaenle, MdL Roland Richter und designierter Präsident BLM Siegfried Schneider
 
Richter zitierte eingangs den Artikel 131 der Bayerischen Verfassung: „Die Schulen sollen nicht nur Wissen und Können vermitteln, sondern auch Herz und Charakter bilden. Oberste Bildungsziele sind Ehrfurcht vor Gott, Achtung vor religiöser Überzeugung und vor der Würde des Menschen, Selbstbeherrschung, Verantwortungsgefühl und Verantwortungsfreudigkeit, Hilfsbereitschaft, Aufgeschlossenheit für alles Wahre, Gute und Schöne und Verantwortungsbewusstsein für Natur und Umwelt.“
Der Bildungsalltag im Freistaat bewegt sich in einem Spannungsfeld, das durch die Notwendigkeit entsteht, den Menschen nicht nur zu sich selbst, sondern auch zu einem nützlichen Teil der Arbeitswelt zu erziehen. Überwiegt der Nützlichkeitsaspekt, dann droht die Gefahr, dass junge Menschen, statt sich zu entfalten, lediglich zu funktionierenden Rädchen im Getriebe der Gesellschaft geformt werden.
Bildung sei eben nicht deckungsgleich mit Ausbildung, so Professor Adt, sondern ziele auf die Würde des Menschen ab. Deshalb lasse sich ihr Wert nicht in bloßen Zahlen ausdrücken. Möglichst viele Informationen zu sammeln, sei keine Bildung. Ausschlaggebend seien die Verarbeitung und Vernetzung der Informationen. 
Kultusminister Dr. Ludwig Spaenle griff den in der Bayerischen Verfassung formulierten Erziehungsauftrag auf und verteidigte bei dieser Gelegenheit das dreigliedrige Schulsystem des Freistaates: Dieses fördere die verschiedenen Talente, die in den Menschen angelegt seien, im Sinne einer ganzheitlichen Bildung deutlich besser als die Schulsysteme anderer Bundesländer.
Sein Vorgänger im Amt, Siegfried Schneider, habe für Bayern einen eigenen Ansatz erarbeitet, nämlich die Stärken der Pflichtschule herauszuarbeiten. Dieser Ansatz sei zielführend, beteuerte Spaenle, er selbst habe ihn konsequent weiter entwickelt: Die für die Schüler in allen Altersgruppen nach oben durchlässige Pflichtschule sei in der Fläche vertreten und damit so nah am Menschen wie nur möglich. Sie bereite die Schüler intensiv auf die duale Berufsausbildung vor. „Das ist für mich das Herzstück unseres Reformansatzes mit der Mittelschule.“
Siegfried Schneider warb ebenfalls für das dreigliedrige Schulsystem und in diesem Zusammenhang um mehr Anerkennung für das Handwerk, ohne das die Gesellschaft nicht funktionieren würde. Vor diesem Hintergrund komme dem dreigliedrigen Schulsystem und der dualen Berufsausbildung eine starke Berechtigung zu. Schneider warnte davor, das Bildungssystem zu vereinheitlichen: Würden alle Schüler in einen Topf geworfen, würde es immer welche geben, die „gleicher“ sind. Dann entstünde, parallel zum offiziellen, ein System leistungsstarker Privatschulen, deren Besuch sich nur die Kinder der wirklich Reichen leisten könnten, wie das Beispiel Frankreichs lehre.
Bildung sei nicht nur eine Frage des Intelligenzquotienten, so ein Diskussionsbeitrag, sondern der sozialen Kompetenz und des Herzens. „Man sollte bitte jeden Menschen und jeden Jugendlichen als das sehen, was er ist, und ihn nicht so sehen, wie wir ihn gerne hätten.“
Es sei trotz Schulreform nicht gelungen, den Druck von den jüngeren Kindern zu nehmen, so ein Schulleiter: „Das kann nicht die Zukunft der Grundschule sein.“ Nach wie vor führe das System dazu, dass Kinder auf gute Noten pauken. Entscheidend sei, auch in der Schule Gewissensbildung und gute Vorbilder und damit ein Menschenbild zu vermitteln.
 
Bildungspreis für innovative Ansätze
 
MdL Roland Richter lobte einen „Bildungspreis BGL“ aus, der mit 1.000 Euro prämiert ist.
Vergeben wird der Preis für innovative Ansätze zur Bildungsarbeit. Bewerben können sich alle Personen oder Einrichtungen, die innovative Konzepte zur Bildungsarbeit entwickeln. Den eingereichten Konzepten muss ein umfassender Bildungsansatz zugrunde liegen, der über die reine Wissensvermittlung hinausgeht. Berücksichtigt werden insbesondere folgende Aspekte: Persönlichkeitsbildung, Ausbildung, soziale Kompetenz, Netzwerke und Schlüsselqualifikationen im Bereich sogenannter Soft Skills.